Nervensystem
Bei Alzheimer-Krankheit

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Krankheiten, welche die Gehirnfunktion beeinträchtigen. Besonders sind die kognitiven Fähigkeiten wie das abstrakte Denken, das Gedächtnis, die Orientierung und die Sprache betroffen, was die Selbständigkeit der betroffenen Personen in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens zunehmend eingeschränkt macht.

Wie häufig ist Demenz?

In der Schweiz leben derzeit fast 150.000 Menschen mit Demenz. Rund 95% aller Diagnosen werden in Personen nach dem 65. Lebensjahr gestellt und da das Alter der grösste Risikofaktor ist, wird erwartet, dass die Zahl in den kommenden Jahren erheblich steigen wird. Aktuell kommt es jährlich zu rund 30.000 Neuerkrankungen, wobei 2/3 Frauen sind. [1]

 

Dement oder einfach vergesslich?

Ab und zu vergesslich zu sein ist normal; der eine öfter, der andere seltener. Manchmal unsicher zu sein, ob man die Haustür abgeschlossen oder wo der Autoschlüssel verlegt hat, ist kein Grund zur Sorge. Sollte man jedoch merken, dass die Vergesslichkeit in Aktivitäten des täglichen Lebens zunimmt, empfiehlt sich eine Abklärung beim Hausarzt. Der Verlust des Gedächtnisses ist allerdings nur eines der Symptome für Demenz; diese kann sich auch in vielen anderen Formen äussern, beispielsweise mit Wortfindungsstörung, Orientierungsprobleme oder indem sich das soziale Verhalten ändert. Enge Bekannte können eine wichtige Rolle beim Erkennen dieser frühen Anzeichen spielen und ihre Urteile sollten daher nicht missachtet werden.

 

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Welche Formen von Demenz gibt es?

Alzheimer-Krankheit – ist die häufigste Form von Demenz und macht bis 70% der Fälle aus. Es handelt sich dabei um eine fortschreitende neurologische Störung, bei der das Gehirn schrumpft (Atrophie) und Gehirnzellen verloren gehen. Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit werden auf die Bildung von abnormen Strukturen (sogenannten «Plaques» und «Tangles») durch die Fehlfunktion von zwei Proteinen im Gehirn (Beta-Amyloid und Tau-Protein) zurückgeführt. Diese haben toxische Eigenschaften und zerstören die Signalübertragung zwischen den Neuronen.

Der typischen Verlaufsform ist charakterisiert durch eine langsame Gedächtnis Verschlechterung über Monate bis Jahre. Nicht amnestische Varianten sind möglich aber viel seltener.

 

Lewy-Körperchen-Demenz (LBD) - weist Ähnlichkeiten mit der Alzheimer- und Parkinson-Krankheit aus und geht mit Ablagerungen eines weiteren Proteins im Gehirn einher. Diese Eiweissklumpen, Lewy-Körperchen genannt, beeinflussen Chemikalien im Gehirn, deren Veränderungen wiederum zu Problemen mit dem Denken, der Bewegung, dem Verhalten und der Stimmung führen können.

 

Frontotemporale Demenz - bezieht sich auf eine Gruppe von Erkrankungen, die durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen in den Frontallappen des Gehirns (die Bereiche hinter der Stirn) oder den Temporallappen (die Regionen hinter den Ohren) verursacht werden. Frontotemporale Degenerationen werden in etwa einem Drittel aller Fälle vererbt und sind die häufigste Ursache von Demenz im Alter unter 50 Jahre.

Je nach Variante bestimmen Verhaltensänderung oder Sprachveränderungen das klinische Bild und in der Frühphase sind Gedächtnis und Orientierung erhalten.

 

Vaskuläre Demenz – umfasst Demenzformen, die auf Probleme mit der Durchblutung des Gehirns zurückzuführen sind. Der Beginn ist oft abrupt mit schrittweisem oder fluktuierendem Verlauf im zeitlichen Zusammenhang mit zerebrovaskulärem Ereignis (z.B. Schlaganfall).

 

Zu den typischen Symptomen gehören:

  • Gedächtnisverlust - kürzlich stattgefundene Ereignisse oder Konversationen.
  • Sprachprobleme - Schwierigkeiten, einfache Wörter zu finden.
  • Orientierungsprobleme - Schwierigkeiten, den Weg nach Hause zu finden.
  • Schwierigkeiten bei dem Entscheidungstreffen
  • Persönlichkeitsveränderungen – Depression, Apathie, Erregbarkeit.
  • Aufmerksamkeitsstörungen

 

Welche Faktoren erhöhen das Risiko, eine Demenz zu entwickeln?

  • Alter
  • Geschlecht – Frauen sind häufiger als Männer betroffen.
  • Familiengeschichte - Einige Formen der Demenz haben eine erbliche Komponente.
  • Nikotin - und Alkoholmissbrauch
  • Ungesunde Ernährung/Übergewicht im mittleren Lebensalter
  • Diabetes mellitus
  • Limitierte körperliche Bewegung, geistige Beschäftigung und/oder soziale Aktivitäten

 

Wie wird eine Demenz diagnostiziert?

Die erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Hier werden Tests zur Beurteilung des physischen und neurologischen Status durchgeführt.

Anamnetische Abklärung durch Gespräch – die Ärztin oder der Arzt stellt Fragen, um eine Reihe von Faktoren zu ermitteln, die auf Demenz hinweisen könnten.

Körperliche Tests – umfassen Reflexe, Muskelkraft, Bewegungsfähigkeit, Koordinierung und Gleichgewicht.

Psychometrische Tests - ermöglichen die kognitiven Fähigkeiten einer Person zu bestimmen. Die am häufigsten verwendeten Tests sind der Mini-Mental-State-Test (MMST) und der Uhrzeit-Zeichnen-Test (UZT).

Laboruntersuchung - können dem Arzt helfen, andere mögliche Ursachen für Gedächtnisverlust und Verwirrung auszuschliessen.

Bildgebung - in bestimmten Situationen kann eine Bildgebung beantragt werden (MRI, CT, PET).

Falls die Situation es erfordert, wird die Person an einen Spezialisten überwiesen.

 

Was kann man tun, um das Risiko einer Demenzerkrankung zu verringern?

Obwohl einige der oben genannten Risikofaktoren nicht veränderbar sind, lässt sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch eine ausgewogene Ernährung und durch regelmässige körperliche, mentale und soziale Aktivität stärken.

Ernährung - Auf eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse und Obst, Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten (hauptsächlich pflanzliche Öle wie Olivenöl) achten, um ein ideales Gewicht zu halten und das Risiko von Stoffwechselstörungen wie Diabetes zu reduzieren. Alkoholkonsums einschränken und auf Rauchen/Nikotinkonsum verzichten.

Körperliche Aktivität – Körperlich aktiv zu sein reduziert ebenfalls das Risiko von Stoffwechselstörungen und hat dazu positive Auswirkungen auf den Herzkreislauf System, sowie auf der Körper- und Gehirndurchblutung. Durch eine optimale Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und Eliminierung von metabolischen Nebenprodukten verfügt das Gehirn über die richtigen Bedingungen, um die Nervenzellen gesund zu halten. Aktivitäten wie ein täglicher Spaziergang, geeignete Gruppenaktivitäten oder Heimtrainer können dabei helfen, die Stimmung und die Schlafqualität zu verbessern und die Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates zu erhalten.

Geistige und soziale Aktivitäten - Stimulation und Aktivierung des Gehirns wirken sich positiv auf dem Aufbau neuer neuronalen Verknüpfungen aus. Lesen, schreiben, Kreuzworträtsel oder Sudoku lösen und sich mit anderen Menschen unterhalten hält das Gehirn im Training und verzögert oder verlangsamt das Auftreten von kognitiven Problemen.

 

Behandlung und Medikamente

Die Behandlungsmöglichkeiten sollten auf den Einzelnen zugeschnitten sein, um die Art der Demenz und die Bedürfnisse der betroffenen Person zu berücksichtigen.

Bis zum heutigen Tag gibt es keine kausale Therapie gegen die Alzheimer-Krankheit, die eine angemessene Wirksamkeit gezeigt hat. Die Therapieziele sind also die Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen und ihrer Angehörigen und die Verbesserung der kognitiven und funktionellen Symptomatik.

Sogenannte «Antidementiva» können die geistigen Fähigkeiten erhöhen und das Fortschreiten der Erkrankung vorübergehend hinauszögern. Spricht der Patient auf die Behandlung an, verbessern sich Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeiten sowie Stimmung und Verhalten.

Cholinesterasehemmer - wirken, indem sie den Abbau eines im Gehirn vorkommenden Botenstoffes namens Acetylcholins verlangsamen, der für Gedächtnis und Aufmerksamkeit eine wichtige Rolle spielt. Diese sind in der Regel die ersten Medikamente, die eingesetzt werden und können auch neuropsychiatrische Symptome wie Unruhe oder Depression verbessern. Dazu gehören Donepezil, Galantamin und Rivastigmin und ihre Hauptnebenwirkungen sind Durchfall, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen.

Memantin - wirkt in einem anderen Kommunikations-Netzwerk (Blockierung der übermässigen Aktivität von Glutamat) der Gehirnzellen und verlangsamt das Fortschreiten der Symptome bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Krankheit. Es wird manchmal in Kombination mit einem Cholinesterase-Hemmer eingesetzt. Relativ seltene Nebenwirkungen sind Schwindel und Verwirrung. Während der Therapie mit Memantin sollte die gleichzeitige Einnahme von Dextromethorphan, ein Wirkstoff, der in vielen Hustenmitteln enthalten ist, vermeiden werden. Bei gleichzeitiger Behandlung werden vermehrte bzw. verstärkte unerwünschte Wirkungen auf das Zentralnervensystem erwartet.

Nicht-medikamentöse Massnahmen und praktische Tipps

Eine Demenzerkrankung kann alltägliche Aktivitäten zu einer besonderen Herausforderung machen. Die Anpassung der Lebenssituation an die Bedürfnisse einer Person mit Alzheimer ist ein wichtiger Teil jedes Behandlungsplans. Für diese Menschen kann die Einführung von Routinegewohnheiten und die Minimierung von Aufgaben, die das Gedächtnis beanspruchen, das Leben wesentlich erleichtern.

  • Schlüssel, Geldbeutel, Mobiltelefone und andere Wertsachen zu Hause immer am selben Ort aufbewahren, damit sie nicht verloren gehen.
  • Medikamente an einem festen Ort aufbewahren und verwenden einer täglichen Checkliste, um die Dosierungen und Einnahmen/Anwendungen im Auge zu behalten.
  • Mobiltelefon mit Ortungsfunktion bei sich tragen, damit ein Pfleger den Standort verfolgen kann. Die wichtigen Telefonnummern sollen auf dem Telefon programmiert sein.
  • Einen Kalender verwenden, um die täglichen Termine festzuhalten. Erledigte Aufgaben sind abzuhaken. Es kann auch hilfreich sein, regelmässige Termine immer am gleichen Tag und zur gleichen Zeit zu planen. Automatische Zahlungen einrichten.
  • Überflüssige Möbel und Gegenstände entfernen und installieren stabile Handläufe an Treppen und in Badezimmern. Die Anzahl der Spiegel im Haus sollte ebenfalls reduziert werden, da sie Demenzkranke verwirren können. Fotos und andere bedeutungsvolle Gegenstände sollen dennoch aufbewahren werden.

 

[1] https://www.alzheimer-schweiz.ch/de/ueber-demenz/beitrag/demenz-in-der-schweiz

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