Nervensystem
Antidepressivum

Symptome: Hauptsymptome sind tiefe Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebslosigkeit. Nebensymptome sind u.a. Schlaflosigkeit, Selbstzweifel, Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen.

Ursachen: Teilweise genetische Veranlagung, seelische Verletzungen, gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn, Stress

Therapie: Verschiedene Formen der Psychotherapie, Medikamente (Antidepressiva)

Suizidgefahr: 10 bis 15 Prozent der Patienten nehmen sich das Leben. Eine Therapie schützt!

Die Depression (auch unipolare Depression genannt) ist eine Stimmungsstörung, die durch anhaltende Traurigkeit und einen Interessenverlust an den Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Arbeiten, Lernen, Essen und Hobbys gekennzeichnet ist. Dieser Zustand wirkt sich darauf aus, wie man sich fühlt, denkt und verhält und kann zu einer Vielzahl von emotionalen und körperlichen Folgen führen.

Die Behandlungsstrategien umfassen hauptsächlich Lebensstiländerungen, Psychotherapie und, falls erforderlich, stimmungsaufhellende Medikamente und ermöglichen in den meisten Fällen eine zufriedenstellende Remission.

Wie häufig ist die Depression?

Etwa 20% der Menschen erleben mindestens einmal im Leben Symptome einer Depression und ist einer der häufigsten Gründe für psychosoziale Dienste Aufsuchung. Die Prävalenz ist bei Frauen höher als bei Männern und ist ausserdem besonders hoch (bis zu 40%) bei Patienten mit schweren körperlichen Erkrankungen wie z.B. Krebs, Morbus Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen chronische Nierenerkrankungen, Schmerz und Diabetes.

In einem von fünf Fällen treten dabei auch hypomanische, manische oder gemischte Episoden auf.

Depressionen sind eine der Hauptursachen für Behinderungen weltweit und tragen erheblich zur Krankheitslast bei; die Zahl der diagnostizierten Fälle hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen.

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Wie äussert sich eine Depression?

Depressionen können eine Vielzahl von psychischen und körperlichen Symptomen verursachen, die sich von Person zu Person in ihrer Natur, Intensität und Dauer voneinander unterscheiden. Diese Verhaltensveränderungen können oft dazu auch auf den Umgang mit anderen Menschen Auswirkungen haben.

Negative Gefühle und Gedanken, die zeitlich begrenzt sind und aufgrund einer schwierigen Situation auftreten, sind normal; man spricht von einer Depression, erst wenn gewisse spezifische Symptome auftreten und diese mindestens zwei Wochen lang andauern.

 

Auswirkungen auf den Geist

  • Gefühle von Traurigkeit, Leere und/oder Hoffnungslosigkeit
  • Freudeverlust an normalerweise befriedigenden Aktivitäten
  • Angst und Unruhe
  • Geringes Selbstvertrauen und Schuldgefühle
  • Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten und Vergesslichkeit
  • Aggressivität und Reizbarkeit auch bei kleinen Dingen

 

Auswirkungen auf den Körper

  • Müdigkeit und Energielosigkeit, so dass selbst kleine Aufgaben zusätzliche Anstrengung erfordern
  • Schlafstörungen, insbesondere Schlaflosigkeit oder zu lange Schlafen
  • Verminderter Appetit und Gewichtsverlust oder gesteigertes Verlangen nach Essen und Gewichtszunahme
  • Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerz und Druckgefühl im Hals und Brust
  • Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen und Durchfall/Obstipation
  • Libidoverlust und Erektionsstörungen

 

Auswirkungen auf das soziale Leben

  • Apathie, Vermeiden anderer Menschen inkl. Freunden und Familie
  • Schwierigkeiten bei der Arbeit oder in der Schule

 

Wodurch wird eine Depression verursacht?

Die Depression ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von biologischen und psychosozialen Faktoren, die zugrundeliegenden Ursachen sind jedoch immer noch ein Thema der Forschung.

Neurosignale im Gehirn - Botenstoffe sind natürlich vorkommende Substanzen, die für eine korrekte Kommunikation zwischen Neuronen (Nervenzellen) sorgen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ungleichgewichte in der Funktion dieser Neurotransmitter in Gehirnregionen, die an der Aufrechterhaltung der Stimmungsstabilität beteiligt sind, eine wichtige Rolle bei Depressionen und deren Behandlung spielen können.

Hormone - Störungen im Hormonhaushalt können an der Entstehung oder Auslösung von Depressionen beteiligt sein. Solche Veränderungen können z.B. während und nach der Schwangerschaft sowie in den Wechseljahren und bei Schilddrüsenproblemen auftreten.

Genetische Vulnerabilität - Genetische (erbliche) Faktoren könnten eine weitere biologische Ursache für Depressionen sein. Es wurde beobachtet, dass Verwandte ersten Grades von Betroffenen eine grössere Neigung haben, depressive Störungen zu entwickeln.

Psychosozialen Faktoren - Menschen, die negative Lebensumstände erlebt haben (Finanzprobleme, Trauerfälle, traumatische Ereignisse), entwickeln mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine Depression. Diese kann wiederum zu mehr Stress und Funktionsstörungen führen und die Lebensqualität der Betroffenen weiter verschlimmern. Eine Vorgeschichte von anderen psychischen Störungen und bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, wie geringes Selbstwertgefühl und zu viel Selbstkritik, können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Grunderkrankungen - Krankheiten mit einer hohen Patientenbelastung wie Krebs, Morbus Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Nierenerkrankungen, Schmerz und Diabetes sind mit einer höheren Inzidenz von Depressionen assoziiert. Eine gedrückte Stimmung kann manchmal auch von bestimmten Medikamenten verursacht werden.

 

Wie kann eine Depression behandelt werden?

Die am besten geeignete Behandlungsstrategie wird je nach Schwergrad auf individueller Basis festgelegt und basiert auf unterstützenden Massnahmen wie Coaching oder Psychotherapie und, falls erforderlich, eine pharmakologische Behandlung. Wird eine mögliche Ursache identifiziert (z. B. ein Medikament oder eine andere zugrunde liegende Krankheit), dann wird diese zuerst geklärt.

Das Ziel der Therapie ist die vollständige Remission der Symptome und die Vermeidung von Rückfällen.

Psychotherapie – Ist zur Akuttherapie der mittelschweren und schweren Depression sowie zur Rezidivprophylaxe geeignet. Diese sollte auch während einer pharmakologischen Behandlung beibehalten werden.

Pharmakologische Behandlung der Depression - Besteht in der Anwendung von stimmungsaufhellenden Medikamenten, sogenannte Antidepressiva, die auf den biologischen Prozess der neuronalen Kommunikation einwirken. Zwei bestimmte Botenstoffe, namens Serotonin und Noradrenalin, sind besonders mit der Stimmung und den Emotionen verbunden. Nach der "Monoaminhypothese" kann eine verminderte Neurotransmission im Gehirn durch diese beiden Moleküle zu depressiven Symptomen führen.

Antidepressiva wirken, indem sie die Verfügbarkeit dieser und manchmal auch anderer Botenstoffe erhöhen und so die neuronale Stimulation fördern. Alle Wirkstoffe teilen eine ähnliche Wirksamkeit und die Wahl erfolgt hauptsächlich anhand des möglichen Nebenwirkungsprofils und der spezifischen Bedürfnisse der Betroffenen. Einige Medikamente sind also, neben ihrer Wirkung auf die Stimmung, auch wirksam bei der Behandlung von Ernährungsstörungen (Bulimia nervosa), Zwangsstörungen, neuropathische Schmerzen und Schlafstörungen.

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) - Sind in der Regel die erste Wahl, da diese Medikamente als sicherer gelten und im Allgemeinen weniger Nebenwirkungen verursachen als andere Arten von Antidepressiva. Verdauungsstörungen, Unruhe, Schlaf- und Appetitveränderungen und sexuelle Störungen können nach der Einnahme von SSRIs am häufigsten auftreten; gewöhnlich werden aber die meisten Nebenwirkungen nach wenigen Behandlungswochen schwächer oder verschwinden ganz. SSRIs können dazu das Blutungsrisiko erhöhen, Vorsicht ist daher geboten, wenn bereits Antikoagulanzien verwendet werden. Beispiele für diese Klasse von Medikamenten sind Escitalopram, Fluoxetin und Sertralin.
  • Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) - Teilen viele Gemeinsamkeiten mit SSRIs, aber sie wirken auch auf den Botenstoff Noradrenalin. Zusätzlich zu den oben genannten möglichen Nebenwirkungen, können diese auch häufig Mundtrockenheit verursachen. Zu den SSNRIs gehören die Wirkstoffe Duloxetin und Venlafaxin.
  • Trizyklische Antidepressiva (TZA) – Wie Amitriptylin und Trimipramin werden heute aufgrund hoher Nebenwirkungen seltener bei depressiven Störungen eingesetzt; sie sind jedoch wirksam bei der Behandlung von neuropathischen Schmerzen. Da TZA oft schläfrig machen, erfolgt die Einnahme tendenziell am Abend.

 

Was muss man noch über die Therapie mit Antidepressiva wissen?

  • Zu Beginn der Therapie sollte das Medikament in niedrigen Dosen verwendet und dann schrittweise erhöht werden (sogenannte Auftitrierung).
  • Ein abruptes Absetzen der Behandlung oder das Auslassen mehrerer Dosen kann zu entzugsähnlichen Symptomen und einer plötzlichen Verschlimmerung der Depression führen. Die Behandlung sollte daher nicht auf eigene Initiative abgebrochen werden, sondern mit dem Arzt so geplant werden, dass die Dosis schrittweise und sicher reduziert wird.
  • Obwohl einige Nebenwirkungen gleich zu Beginn der Therapie auftreten, tritt die stimmungsaufhellende Wirkung in der Regel erst nach etwa 2 Wochen bei regelmässiger Einnahme ein. Antidepressiva sind daher nicht für die akute Behandlung von Depressionen geeignet.
  • Die Einnahme bestimmter Antidepressiva während der Schwangerschaft oder der Stillzeit kann sich auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Wenn eine Schwangerschaft besteht oder geplant ist, ist es also wichtig, den Arzt bzw. die Ärztin zu konsultieren.
  • Die Kombination von Antidepressiva mit anderen Medikamenten (z.B. Medikamente gegen Migräne, opiathaltige Schmerzmittel oder Antitussiva, die Dextromethorphan oder Codein enthalten) oder Drogen kann das Risiko eines sogenannten «Serotoninsyndrom» erhöhen. Dies ist auf eine übermässige Akkumulation von Serotonin im Körper zurückzuführen und bei Symptomen muss man einen Arzt bzw. eine Ärztin sofort aufsuchen. Mögliche Anzeichen sind Verwirrung, Schwitzen, schneller Puls, Muskelzuckungen und erweiterte Pupillen.

 

Was kann man selbst machen?

  • Sport und Outdoor-Aktivitäten treiben - Ist im Prinzip die einfachste und wirksamste Massnahme, besonders bei leichten Depressionen. Dazu gehören z.B. Spazierengehen, Joggen, Schwimmen und Gärtnern.
  • Sich gesund ernähren - Vollkornprodukte, Obst und Gemüse bevorzugen und den Verzehr von raffinierten Lebensmitteln, die besonders viel Fett und Zucker enthalten, reduzieren. In den letzten Jahrzehnten haben Studien über kausale Auswirkungen der Darmflora auf das Gehirn und das Verhalten berichtet (so genannte «Darm-Hirn-Achse»).
  • Förderung der sozialen Kontakte - Freunde und Verwandte regelmässig anrufen oder treffen und/oder einer Selbsthilfegruppe beizutreten.
  • Alkohol und Drogen vermeiden - Es mag den Anschein haben, dass diese eine gedrückte Stimmung aufheben; langfristig verschlimmern sie jedoch die Symptome und können die Behandlung der Depression erschweren.
  • Genügend Schlaf bekommen - Ist sowohl für die geistige als auch für die körperliche Gesundheit wichtig.
  • Depression verstehen - Es motiviert dazu, die ausgewählte Behandlung zu befolgen und sich die Zeit zu nehmen, die für eine optimale Genesung ohne Rückfälle notwendig ist.

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